Immer wieder höre ich, dass der Mensch mehr wert ist als ein Tier, dass der Mensch kein Tier mehr ist und über diesem steht und ähnliche Aussagen. Und solchen Denkweisen folgen dann Taten, die ich verurteile. In diesem Artikel will ich aufzeigen, weshalb ich diese Denkweisen für falsch und ungerechtfertigt halte. Ich werde versuchen halbwegs sachlich zu bleiben, weil ich bei diesem Thema oft ziemlich emotional reagiere.
Biologisch betrachtet ist der Mensch ein Tier. Er erfüllt sämtliche Kriterien, die ein Tier definieren, wie fehlende Zellwände, Heterotrophie und Vielzelligkeit, Nerven und Muskelgewebe, bestimmte Schlüsselmerkmale des Entwicklungszykluses und die Hox-Gene.
Werde darauf aber nicht näher eingehen, das würde einen eigenen Artikel verdienen. Falls es jemanden wirklich interessiert, kann ich ihm nur ein Biologie oder Zoologielehrbuch ans Herz legen. Den Wikipediaartikel zu diesem Thema kann ich absolut nicht empfehlen, da er sehr unvollständig ist.
Genauso steht wissenschaftlich fest, dass der Mensch vom Affen abstammt, belegt durch anatomische Vergleiche und auch durch molekulare Daten(Genetik). So ist der Mensch biologisch gesehen nur ein Tier von vielen. Genauso wenig stellt er die Krone der Schöpfung dar, denn aus evolutionsbiologischer Sicht ist das jedes heute noch lebende Tier. Wenn aber jemand partout nicht von diesem Gedanken abkommen will, dann kann man schnippisch entgegnen, dass beispielsweise der Schimpanse, der nächste noch lebende Verwandte des Menschen, sich im Verlauf der Stammesgeschichte quantitativ weiter von den gemeinsamen Vorfahren von Schimpansen und Menschen entfernt hat, als der Mensch. Das ganze ist belegt anhand molekularer Daten[1]. Der Schimpanse würde dann demnach über dem Menschen stehen.
Nun gibt es zwei Denkschulen, die dem Menschen das Tiersein absprechen bzw. sich den Tieren überlegen fühlen. Das wäre zum einen die religiöse. Diese Leute begründen dies damit, dass dies in ihren heiligen Schriften wie z.B. der Bibel. Dort steht, dass der Mensch die Herrschaft über das Tier innehat(Gen 1,26ff) und nach Gottes Abbild geschaffen wurde, demnach nichts mit den Tieren gemein hat. Es folgen verschiedene Auslegungen, wie man demnach ein Tier zu behandeln hat. Derzeit erkennt die Kirche an, dass Tier eine Seele besitzen und auch so zu behandeln sind.
Die Grundlage dieses Denkens ist also ein Märchenbuch, um es mal überspitzt zu sagen. Geschrieben von Menschen, für Menschen. Genauso gut könnte darin stehen, alle blauäugigen Menschen, sind Abkömmlinge des Teufels und demnach eine niedere Rasse. Das ist einfach beliebig und hat keine echte Grundlage. Man kann dann nicht diskutieren. Blinder Glaube. Viel mehr brauche ich dazu nicht zu sagen. Grundlage für Mord und Totschlag.
Der Mensch muss eben sein Ego befriedigen und braucht immer jemanden der unter ihm steht. Man sieht dies bspw. Bei Kindern in Schulen, wenn einzelne Kinder gemobt werden und gedemütigt. Er kann nicht akzeptieren, dass er nichts besonderes ist. Und da er nichts besonderes ist, muss er sich etwas schaffen, dass ihn besonders macht. Und da wären wir auch schon bei der zweiten Gruppe.
Diese finden beim Menschen bestimmte Merkmale, die Tiere nicht besitzen bzw. nur in geringerem Ausmaße. Das wären dann z.B. die Kultur, Intelligenz, Selbstreflexion, Sprache, Vernunft etc. Sie gewichten diese Merkmale dann ziemlich hoch und sehen darin den Grund, dass der Mensch dem Tier überlegen ist oder dass der Mensch kein Tier mehr ist. Dieser Gedankengang ist erneut beliebig. Ich könnte hier nun jede evolutionäre Anpassung nennen und somit jedes Tier an die Stelle des Menschen setzten. Sämtliche oben genannten Punkte sind Produkt der Evolution des Gehirns. Ist dieses potente Gehirn mehr wert, als beispielsweise der Flug, oder die Fähigkeit an der Decke zu laufen, beim Laufen extreme Geschwindigkeiten zu erreichen, extrem scharfe Sinne zu besitzen? Nein, wieso auch. Zusätzlich kommt hinzu, dass es die meisten dieser Merkmale, die von diesen Leuten genannt werden auch im Tierreich gibt. Ständig kommen neue Forschungsergebnisse, die zeigen dass die Fähigkeiten des Menschen gar nicht so einzigartig sind, dass vieles auch bei anderen Tieren vorkommt. Die Unterschiede sind deutlich geringer als das gemeinhin angenommen wird. So findet Lernen über Generationen hinweg auch im Tierreich statt. Bspw. bei Walen und ist häufiger verbreitet als man denkt. Sprache in menschlicher Form mit Grammatik gibt es bei anderen Tieren nicht. Trotzdem ist Sprache aber nicht einzigartig. Es gibt hochkomplexe Kommunikationsformen bei Tieren, z.B. über Duftstoffe. Und die Forschung ist auf diesem Gebiet nicht sehr weit fortgeschritten. Vieles wird nicht verstanden und der Mensch kann auch nicht alles nachvollziehen.
Es ist auch nicht wirklich möglich in den Kopf von Tieren zu schauen. Es ist einfach nicht möglich zu bewerten ob und was für Gedanken in ihren Köpfen vorkommen. Selbstreflexion? Ist nicht 100% auszuschließen. Man muss sich nur mal manche Menschen anschauen. Bei diesen scheint dies auch nicht vorzukommen.
Gefühle kommen auch bei Tieren vor. Angst, Scham, Gier etc. Bei Menschenaffen wurde im Zoo beobachtet, wie sie aus Scham mordeten. Das könnte man jetzt ewig weiterführen.
Der springende Punkt ist der. Es kostet den Menschen einfach zu viel Überwindung laut auszurufen, dass er ein Tier ist. Man muss sich nur mal Frau Merkel vorstellen, die dies im Bundestag ausruft. Dies erscheint ziemlich unwahrscheinlich und abwegig, nicht wahr? Geblendet durch die Zivilisation, die den Menschen der Natur entfremdet hat, so dass der Gedanke unerträglich scheint, dass die Kreaturen die frei und „primitiv“ in der Natur leben, Brüder sein könnten. Verletzter Stolz, verletztes Ego. Das Eingeständnis, dass die Errungenschaften der Menschheit nichts besonderes sind, nur Produkt der Evolution.
Und vielleicht ist der Mensch, genau deshalb, weil er glaubt mehr zu sein, vielleicht in Wirklichkeit weniger Wert als die Tiere.
Denn die Folgen dieser Überlegenheitsdenkweise sind schlimm und diesen werde ich in Zukunft sicher den einen oder anderen Artikel widmen.
Somit stellt sich die Frage, die mir vor kurzem ein Freund gestellt hat und mich ein wenig ins straucheln gebracht hat: Wenn du die Wahl hast entweder das Leben eines Menschens oder aber das Leben eines Regenwurms zu retten . Wofür würdest du dich entscheiden und weshalb?
Ich habe die Antwort für mich schon gefunden