Verdammt. Der Handywecker klingelte heut viel zu früh. Zumindest fühlte es sich so an, nach einer Nacht mit viel zu wenig Schlaf. Egal. Aufstehen, waschen, anziehen und 2 wichtige Dinge erledigen ohne wirklich genug Zeit für haben. Vielen Dank an einen gewissen Mitmenschen, der zwar nichts zu tun hatte, aber dennoch keine Zeit hatte, als ich fragte ob er mir einen Gefallen tun könnte. Lebenswichtig für mich, 5 min für die Person. Egal ich war wie immer auf mich allein gestellt und würde das im laufe des Tages schon irgendwie hinbekommen. Jetzt fehlte nur noch ein Telefonat bevor ich los musste. Verdammt, natürlich war die Leitung besetzt. Und 3 Minuten später immer noch. Die Zeit verrinnte. Ich musste gleich los zum Bus, die Uni wartete. Zumindest nach weiteren 5 Minuten Geduld kam ich durch. 2 Minuten später war das Telefonat erledigt. Nur war es inzwischen schon ziemlich spät. Und was folgte? Die Suche nach meinem Portemonnaie, dass ich benötigte. Die zwei Orte, an denen es normalerweise liegt, nichts. Panisch rannte ich überall umher und suchte. Es war nicht zu finden. Und erneut lief ich zu den beiden Stellen. Natürlich war es dort nicht wieder aufzufinden. Nun war es aber wirklich schon sehr spät und es schien beinahe unmöglich den Bus noch rechtzeitig zu erreichen. Scheiße. Ein drittes mal suchte ich aus Verzweiflung und Ideenlosigkeit die beiden Stellen ab und tatsächlich, da lag es auf einmal, wieso auch immer ich es zuvor übersehen hatte. Trotzdem es half nicht. Der Bus fuhr in etwa 3 Min los und ich hatte eine Strecke von über 1 km vor mir. Erdrückende Panik in mir. Wut, dass mir immer und immer wieder so etwas passiert. Einige Sekunden Hilflosigkeit bis ich mich entschied. Ich rannte los, obwohl meine Gelenkschmerzen am Vortag unerträglich waren. Obwohl ich seit Tagen durch einen Magen-Darm-Infekt geschwächt bin. Obwohl ich natürlich von der chronischen Borreliose geschwächt bin. Obwohl ich vor kurzem eine BauchOP hatte. Obwohl ich die Gewissheit hatte, die nächsten Tage bitter zu bereuen. Ich rannte wie schon lange nicht mehr und das in voller Wintermontur. Und natürlich, überall war massig Publikum. Ganz toll, wie ich das liebe. Zwei ältere Nordic Walkerinnen, die mich anstarrten als sei ich Belzebub höchst selbst. Lasst mich alle in Frieden, dachte ich. Mit letzten Kräften erreichte ich die Bushaltestelle. Danke Busfahrer, dass du mal ausnahmsweise nicht einfach vor meiner Nase losgefahren bist, sehr zuvorkommend und selbstlos.
Im Bus waren dann natürlich alle Sitzplätze belegt, mit Ausnahme von denen ganz hinten. Typisch. Es folgte der unvermeidliche Spießrutenlauf nach hinten. Jeder bekam die Chance, mich anzustarrten wie einen Außerirdischen. Verdammt hatten die noch nie jemanden gesehen der gerannt und deshalb ziemlich fertig war? Als ich mich dann endlich hingesetzt hatte, spürte ich meine Knie wie Feuer brennen. Schmerzen überschwemmten mich. Ich spürte mein Herz auf jene unheilvolle, unangenehme Art und Weise. Die nächsten Tage würden der Alptraum. Egal, ich bin hart im Nehmen. Und zusätzlich, das durfte natürlich auch nicht fehlen, fing ich an wirklich übelst zu schwitzen, war ich doch ziemlich winterlich gekleidet. Ich roch nun vermutlich wie ein Stinktier. Aber zumindest war ich jetzt allein mit meinen Gedanken, die mich nun beschäftigten. Wofür das ganze? Für eine jämmerlich langweilige und uninteressante Vorlesung, von der ich genauso gut das Skript hätte lesen können. Die letzte Pflichtvorlesung in meinem Leben. Was bin ich bloß für ein Idiot….
Später dann am Mittag in der Mensa erfahre ich die abschließende Hiobsbotschaft überhaupt. Ein bestimmter Professor verlässt die Uni im März. Und das hat übelste Auswirkungen auf mich und meine nicht mehr ferne Diplomarbeit. Mir ist zum Heulen zumute.
Und das ist nur ein Tag von vielen ich freue mich schon auf die nächsten…..Und ich frage mich wieder: Wofür das ganze? Was hat das alles noch für einen Sinn? Schmerzen ohne Ende, Angst, Panik, Einsamkeit, Demütigung. Aber was schreib ich da, zum Glück liest das niemand.
Jour de merde
Januar 9, 2008 von Rabenschwinge