Mehr schlecht als recht versuche ich jetzt etwas philosophisches zu schreiben. Die folgenden Worte und Sätze sind durch asiatische Philosophie allgemein und insbesondere Buddhismus und Budo geprägt.
In der letzten Woche bin ich zweimal, in Büchern, über Aussagen über die Stärke und Schwäche des Menschen gestolpert. Eine Aussage war ziemlich schwammig und ungenau und widersprach teilweise deutlich der Aussage eines anderen Buches. Dies lies mich unbefriedigt zurück und ich machte mir viele Gedanken ohne wirklich zu einem klaren Abschluss zu kommen. Es fing schon dabei an, dass ich Probleme hatte Stärke und Schwäche bzw. starke Menschen und schwache Menschen genau zu fassen. Was genau ist das? Inzwischen habe ich aber eine Antwort für mich gefunden, die zwar immer noch nicht ganz befriedigend ist, ich aber zumindest eine Vorstellung bekommen habe.
Mit Stärke und Schwäche ist nicht das körperliche gemeint, sondern geistige bzw. charakterliche. Besonders mit der Stärke tat ich mir schwer. Entschlossenheit, Selbstbewusstsein(im Sinne von sich seiner selbst Bewusstsein, möglicherweise DER wichtigste Punkt der Stärke), Toleranz, Fähigkeit zur Liebe und Mitgefühl, unabhängig von anderen sein, Ehrlichkeit.
Sehr viel leichter fiel mir das Definieren der Schwäche: Lügen, Täuschung, Manipulation von anderen, Feigheit, ständige Zweifel, Egoismus, Unsicherheit, Abhängigkeit von Anderen, Mangel an Liebe und Mitgefühl, Materialismus, schlecht reden über Andere. Aus diesen genannten Punkten lassen sich viele Kombinationen erstellen, auf die ich nicht weiter eingehe, mit einer Ausnahme aus persönlichen Gründen: Der Glaube, dass mit materieller Versorgung der Familie genüge getan ist. Eine Familie benötigt aber viel mehr als nur materielle Versorgung, sie benötigt Liebe.
Ein starker Mensch ist also jemand, der ein Übermaß an den als Stärke definierten Punkten aufweist, ein schwacher Mensch ist demnach jemand, der ein Übermaß an den als Schwäche definierten Punkten besitzt.
Für die weitere Betrachtung muss man die ganze Sache nun als einen Aspekt von Ying und Yang analysieren. Es gibt niemals nur Stärke oder nur Schwäche, das eine kann nicht ohne das andere existieren. Selbst der stärkste Mensch zweifelt manchmal und selbst der schwächte Mensch, zeigt Mut, Mitgefühl oder Liebe. Und das ist gut so. Würde der starke Mensch nicht zweifeln, würde er dann möglicherweise falsch entscheiden? Ist er zu selbstlos, zerstört er damit sein inneres Gleichgewicht. Mir fallen hunderte Beispiele ein, aber ich denke jedem sollte klar sein, was ich meine. So denke ich, dass Stärke und Schwäche nicht antagonistisch zueinanderstehen, sondern komplementär. Ying und Yang.
Aber was hilft mir das nun? Kaufen kann ich mir davon nichts
Nein. Aber wer will sich davon auch etwas kaufen. Dieses Wissen hilft mir aber auf dem Weg zu einem stärkeren und damit auch besseren(vom Charakter her) Menschen. Ich zumindest erstrebe dies.
Nur muss gesagt werden, vor allem der Anfang dieses Weges ist sehr, sehr schwer und steinig. Er lautet: Selbsterkenntnis. Denn meistens belügt man sich selbst, in dem man zum Beispiel versucht schlechte Dinge zu rechtfertigen und ähnliches. Dieses Verhalten zu ändern erfordert geistige Disziplin und Willenskraft und geht nicht von heute auf Morgen. Es erfordert Geduld und Durchhaltevermögen. Ein weiterer Fallstrick, auf diesem Weg, ist es auf die Meinung von Anderen viel zu geben und sich darauf zu verlassen. Es gibt nur wenige Menschen, die es vermögen, einen anderen Menschen vollständig zu lesen. So fehlt es im Normalfall an Einsicht in die Gedankenwelt. Denn wer kann schon wahrhaftig erkennen welche Gründe eine Person hatte, einer anderen zu helfen? Möglicherweise ist er auf Vorteile aus. Wird diese Person nun gelobt, kann sie sich der Illusion hinzugeben, ihr Handeln war charakterlich stark, selbst wenn es vom Egoismus angetrieben wurde.
Ist der Schritt zur radikalen Selbsterkenntnis geschafft, kann nun tatsächlich daran gearbeitet werden, ein stärkerer Mensch zu werden. Darauf gehe ich nicht weiter ein. Dieser Weg ist ein Persönlicher, den jeder selbst finden und gehen muss.
Ein Typ Mensch, der mir leider häufig begegnet, ist ein Mensch der nicht nur sich selbst belügt sondern vor allem auch andere. Diese Art versucht sich nach außen stark zu geben. Doch in Wirklichkeit ist er schwach, eben aus dem Grund, dass er lügt, seine Schwächen verleugnet. Und solange er das nicht erkennt bleibt er schwach. Stärke ist auch, seine Schwäche offen zuzugeben. Ying und Yang.
Zu guter letzt noch einen Satz den jeder im Zusammenhang selbst deuten soll:
Die Illusion unseres Egos besteht darin, zu glauben, dass es mit seinen Gedanken, Gefühlen, Hoffnungen das Maß aller Dinge sei.