Wenn es etwas gibt, dass mich nervt und manchmal auch traurig macht, dann ist das wenn man unqualifizierte Aussagen macht. Oft denke ich dann: ok lass ihn reden und schweige und dann denke ich mir nur das meinige. Selten kommt es aber vor, denn das ist eigentlich nicht meine Art, dass ich doch wiederspreche. Dies passiert aber wirklich selten
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Jetzt habe ich gestern einen Blogartikel gelesen, bei dem ich nicht schweigen konnte. Vermutlich mache ich mir gerade einen Feind, aber was solls. In diesem geht es darum, dass es Intelligenzunterschiede zwischen „Rassen“ gibt. Als Quelle wird ein Interview mit einem Psychologen angegeben. Soweit so gut. Leider erschien mir beim Lesen doch, dass diese Person, doch eigentlich gar nicht so sehr bewandert zu sein scheint auf diesem Gebiet der Psychologie. Es wird eigentlich nur total unreflektiert behauptet, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen weniger Intelligent seien und das teilweise genetisch bedingt ist. Natürlich wird nie ausgeführt, was das eigentlich genau für Bevölkerungsgruppen seien, aber gemeint sind vermutlich schwarze und ähnliche Ethnien. Und natürlich ist dieses als Quelle angegebene Interview ausreichend um diese Behauptung aufzustellen. Als angehender Naturwissenschaftler kräuseln sich mir die Haare auf dem Rücken.
Es wird weder erläutert wie Intelligenz gemessen wird, noch was Intelligenz eigentlich ist und wie Intelligenz beeinflusst wird. Einzig wird erwähnt, ohne Namen zu nennen, dass es ja Lehrbuchwissen(Humanbiologie) sei, dass Intelligenzunterschiede bei Ethnien genetisch Bedingt seien. Natürlich werden da aber keine Quellen angegeben.
Darum will ich jetzt hier einiges richtig stellen, ich versuche mich aber kurzzufassen:
Es ist tatsächlich empirsch belegt, dass bestimmte Ethnien statistisch geringere Intelligenzquotienten(IQ) aufweisen.
Jetzt kommt aber ein Problem. Es gibt verschiedene Arten der Intelligenz(Verbale Intelligenz, Visuelle Intelligenz, Kreative Intelligenz, Psychische Intelligenz, Logische Intelligenz und die Emotionale Intelligenz). Aber das ist noch nicht alles. Es gibt sogar verschiedene Definitionen von Intelligenz in denen diese unterschiedlichen Arten unterschiedlich gewichtet bzw. teilweise auch vollständig ignoriert werden, um es mal vielleicht etwas zu vereinfacht darzustellen.
Die einzige Art Intelligenz zu messen, ist der IQ-Test. Auch hier muss gesagt werden, dass jeder Test anders definiert ist und verschiedene Arten der Intelligenz verschieden berücksichtigt. Wobei der IQ nicht so einfach mit Intelligenz gleichzusetzten ist. Man kann etwas verallgemeinert sagen, dass eine bessere Bildung auch ein besseres Ergebnis in einem IQ Test ermöglicht, da die Gewichtung der meisten Test eher auf Intelligenzarten liegt, die in der Schule gestärkt und gefördert werden. Da ist es natürlich auch klar, dass 3te Weltländer schlechter und beispielsweise Asiaten so gut abschneiden. Natürlich gibt es aber auch spezielle Tests, die solche Dinge berücksichtigen und einigermaßen Fair sind. Aber diese Test sind eine recht moderne Entwicklung. Wenn ich dann solche Aussagen lese, dann wird mir schlecht:
Zwar ist diese Tatsache seit über hundert Jahren bekannt, weil gründlich wissenschaftlich-empirisch erforscht, und es ist auch in jedem Humanbiologie-Lehrbuch nachzulesen, aber aussprechen darf man es politisch korrekterweise nicht.
Denn diese über 100 Jahre alten Forschungen wurden zum einen durch kolonialistisches Denken geprägt und sind damit keinesfalls neutral, wie es eigentlich ind er Wissenschaft sein SOLLTE. Zum anderen wurden Gene erst 1927 tatsächlich bewiesen und erst Jahre später fing man an sie tatsächlich zu verstehen. Alles was vorher war, war Wunschdenken, um die weiße Herrenrasse zu bestätigen.
Des Weiteren wird Intelligenz durch verschiedene Entwicklungs- , Kultur- und Umweltfaktoren vor allem in der Kindheit beeinflusst:
- Unterernährung hat negative Folgen auf den IQ.
- Erziehung, dort gibt es sehr viele Faktoren aber es ist zum Beispiel zu sagen, dass weniger Liebe der Eltern dem Kleinkind gegenüber auch geringe IQ-Werte zur Folge haben können. Wenn man nun bedenkt, dass in 3te Weltländern hohe Kindersterblichkeit herrscht und Eltern deshalb normalerweise aus reinem selbstschutz ein emotional distanzierteres Verhältnis zu ihren Kindern haben als in 1te Weltländern…..
- Bildung/Schule.
-etc.
Hier sieht man, dass bspw. Afrikaner allein schon aufgrund solcher Faktoren benachteiligt sind. Ich denke, man sollte also sehr, sehr vorsichtig mit solchen Aussagen sein.
Wenn man jetzt natürlich noch dazu zählt, dass zwar einige wenige Gene bekannt sind, die Einfluss auf Intelligenz haben. Aber nicht wirklich sehr viel mehr. Genaue Funktionsweisen schon gar nicht. Und vor allem ist der Grossteil der Gene, die Intelligenz beeinflussen, noch total unbekannt.
Das Thema Intelligenz und IQ-Tests, ist auch in der Wissenschaft noch sehr umstritten und wird heftigst diskutiert.
Schande über mein Haupt, dass ich nun aus Wikipedia zitiere. Aber da dies genau dem entspricht was ich eigentlich noch sagen wollte, bin ich mal so frei:
Einer strengen, naturwissenschaftlichen Betrachtung würde die Messgröße IQ nicht standhalten. Es stellt sich z. B. die Frage: Was wird mit einem IQ-Test überhaupt gemessen? Ist ein IQ eine einem Individuum zuordnungsfähige, konstante Größe? Oder ist der IQ stark zeit- und situationsabhängig? Der IQ ist stark abhängig von der Art des Tests, der durchgeführt wird. Man denke nur an die Größe „Gewicht“ eines Menschen: man würde je nach Waage ein anderes „Gewicht“ messen. Offensichtlich gibt es einen Lerneffekt, d. h. Personen, die solche Tests bereits durchgeführt haben, schneiden bei wiederholter Durchführung besser ab. Dadurch sind keine klaren Anfangsbedingungen herstellbar. Man denke wieder an das „Gewicht“ eines Menschen: bei jedem Testdurchgang würde man ein höheres „Gewicht“ messen als beim letzten. Probanden hatten nach einem dreiwöchigem Urlaub bis zu 30 IQ-Punkte weniger als üblich. Damit ist der IQ stark zeitabhängig und unterliegt auch in kurzen Zeiträumen sehr starken Schwankungen. Man hat Nobelpreisträger getestet und wider Erwarten im Durchschnitt zwar einen erhöhten, aber keinen Spitzenwert erhalten. Damit ist eine Korrelation zwischen einem gemessenen IQ und hier wissenschaftlichem Erfolg nicht unbedingt herstellbar. Was wird mit einem IQ-Test überhaupt gemessen? Die Problematik wird anhand einer Analogie deutlich: Man denke sich einen SQ (Sportlichkeits-Quotienten), der anhand eines olympischen Zehnkampfes ermittelt werde. Eine Person mit hohem SQ würde dann nicht notwendigerweise sehr gut schwimmen, Rad fahren, Fußball, Tischtennis, Basketball spielen usw. können.
Intelligenz ist ein wirklich riesiges Thema. Darüber kann man viele, viele Bücher füllen. Meine Darstellung ist doch auch sehr unvollständig. Hoffe dennoch, dass man es ernster nimmt als solche Aussagen wie die von Silberstreif.
Aaalsoooo … Du machst Dich nicht zu meinem Feind weil Du eine andere Meinung hast, das erstmal vorweg.
Ansonsten: Die Einwände die Du benennst stehen alle in dem Interview drin. Warum sollte ich das wiederholen? Die Einwände sind natürlich berechtigt, das meint der interviewte Bildungsforscher auch.
Eine Wissenschaft die frei ist von der Prägung durch die eigene Herkunftskultur ist nicht möglich. Aber was man erreichen kann ist eine wertungsfreie Wissenschaft. Also nicht bewerten indem man sagt „Schwarze sind dumm und minderwertig“ oder sowas.
Die Indizien dafür daß Intelligenz und andere nicht-physische Merkmale zu einem bedeutenden Teil genetisch verankert sind, sind vorhanden. Ob man sie als überzeugend annimmt oder ob man sie ablehnt hängt von der eigenen weltanschaulichen Ausrichtung ab.
Du wirst Deine Gründe dafür haben daß Du diese These nicht annehmen willst, vermutlich paßt sie nicht zu Deinem Weltbild.
Aber ehrlich gesagt ist mir das ziemlich egal und ich habe jetzt auch keine Lust das weiter zu untermauern. Man findet sowieso immer die Ergebnisse die ins eigene Wunschdenken passen. Gilt für mich natürlich genauso.
In meiner Realität ist es so, daß es verschiedene R… äähh, Ethnien gibt und daß die nicht nur optisch verschieden sind sondern auch innerlich. Und daß das Äußere genetisch verankert ist, nun ja das müssen selbst die widerstrebensten Wissenschaftler zugeben, das mit dem Inneren paßt vielen nicht ins Konzept. In mein Konzept paßt es.
Auch andere Wissenschaftler forschen über die Intelligenzunterschiede zwischen Ethnien, hier zum Beispiel noch ein Artikel: http://www.welt.de/wissenschaft/article1400104/Die_Crux_mit_der_Intelligenz.html
Ich bestreite nicht, dass es genetische Unterschiede gibt zwischen verschiedenen Bevölkerungen. Die gibt es. Man denke an Größe, Hautfarbe etc. Dies sind Effekte der nat. Selektion einem Mechanismus der Evolution und haben die bessere Anpassung an die Umwelt zufolge. Die beiden genannten Beispiele(Größe, Hautfarbe) sind aber auch tatsächlich definitiv messbar ganz im Gegensatz zur Intelligenz. Dort gibt es verschiedene Messmethoden und jede gibt ein anderes Ergebnis.
Worauf ich hinauswill. Solange man Intelligenz nicht definitiv 100% messen kann, sollte man solche Aussagen sein lassen. Denn sie ist ein selbst konstruiertes Konstrukt (im Gegensatz zur Körpergröße, die ein vorgefundener Forschungsgegenstand ist) die wie ein vorgefundener Foschungsgegenstand gewertet wird. Und das ist falsch. Ist die Definition von Intelligenz wirklich das was Intelligenz ist?
Dass Forschung betrieben wird über Ethnienunterschiede ist mir bewußt. Es ist aber nicht so, dass die Ergebnisse schon das herrschende Paradigma darstellen, sondern sehr, sehr heiß diskutiert werden.
Möglicherweise weiß man in 50 Jahren dass es tatsächlich so ist, solange dieser Fall aber noch nicht eingetreten ist, werde ich solche Aussagen nicht befürworten.
Ich befürworte solche Aussagen schon, weil es sich da um Erfahrungswerte handelt. Wenn ich solange warten müßte bis sich die Wissenschaft auf eine naturwissenschaftlich exakte Meßmethode für Intelligenz geeinigt hat und obendrein das genetische Zustandekommen herausgefunden hat, dann könnte ich bis zum St.Nimmerleins-Tag warten.
Um Intelligenz zu erforschen müssen die engen Schranken der wissenschaftlichen Disziplinen überwunden werden. Intelligenz ist nicht nur ein naturwissenschaftliches Problem, sondern auch ein Kulturelles.
Ich finde es wichtig die bisherigen Forschungsergebnisse, auch wenn sie nicht naturwissenschaftlich-dogmatisch hundertprozentig bewiesen sind, sehr ernst zu nehmen.
Denn wenn man den anderen Weg geht und sagt „Intelligenzunterschiede zwischen Ethnien sind kulturell/erziehungsmäßig/umweltbedingt“ kommt als Ergebnis eine solche katastrophal falsche Politik dabei heraus wie wir sie derzeit bewundern können.
Die Vorstellung, man könnte die deutsche Bevölkerung durch eine importierte Unterschicht aus allen möglichen anderen Ländern ersetzen, weil man die Eingewanderten durch Erziehung, Bildung usw. so hinformen kann wie man möchte, ist so eine verrückte Idee.
Obwohl gerade diese Idee, die von deutschenhassenden Kreisen mit Vorliebe gepflegt und umgesetzt wird, eine indirekte Bestätigung der Vererbbarkeit innerer ethnischer Merkmale ist. Denn diese Leute gehen ja von einer rätselhaften Erblichkeit des Bösen beim Deutschen Volk aus.
Ich kann dazu nur sagen: Gefährliche Spinnerei!
Hallo ihr zwei!
Ich finde das thema super interessant!
@Rabenschwinge: Du hast es mir schon vorweg genommen: Intelligenz ist etwas, das man immer noch nicht wirklich messen kann. hinzu kommt ja auch noch, dass man mittlerweile nicht nur mehr zwischen emotionaler und akademischer Intelligenz, sonder auch vielen vielen anderen Arten unterscheidet. und wo es keine klare Definition gibt, kann auch nicht gemessen werden.
Ich habe in letzter Zeit Einiges über dieses Thema gelesen und immer mehr kommt auch die Diskussion heraus, wie denn nun die weibliche gegnüber der männlichen Intelligenz ist. Haben wir Frauen mehr „EQ“ als die Männer? Da gibts ja immer wieder heiße diskussionen, wie auf bizzlounge.com und Ähnlichen. Dabei fällt auch auf, dass gerade Opinion Leader auch sehr daran interessiert sind und ihre Meinungen dazu aussprechen.
Denkt ihr, ist es überhaupt möglich, eine klare Definition für Intelligenz zu finden? Auf globaler bzw. multikultureller ebene ist das doch fast ein Ding der Unmöglichkeit oder?
mfG
Carmen
Ich werde mich jetzt mein Niveau senken und auf Silberstreifs Beitrag antworten, dafür ist mir meine Zeit einfach zu kostbar. Jeder soll für sich selbst entscheiden wie seriös solche Aussagen sind.
Es bleibt nur zu sagen, dass vieles was als Wissen und Fakt dargestellt wird, Halbwissen und teilw. auch Falschinformation ist. Information wird missbraucht um Politik zu machen bzw. zweifelhafte politische Meinung zu bilden.
@Carmen
Ich bin kein Fachmann, habe zu wenig Fachliteratur zu dem Thema gelesen, deswegen gebe ich eigentlich ungern meine Meinung dar.
Es besteht das gleiche Problem wie bei dem IQ, nur noch etwas verstärkt. Verschiedene Definitionen von EQ, die meiner Meinung nach teilweise sogar ziemlich unpassend sind(wobei die von Salovey und Mayer meiner Meinung nach ziemlich gut ist). Die Definitionen sind wieder in Teilkonstrukte unterteilt, die dann wieder je nach Test unterschiedlich gewertet werden. Außerdem ist der EQ noch viel mehr als der IQ-Wert von Wertungen abhängig (Ist diese Art mit Gefühlen umzugehen besser/intelligenter als die andere?). Das macht den EQ-Wert dann noch schwerer zu messen als z.B. den IQ Wert.
Außerdem haben erneut Entwicklungs- , Kultur- und Umweltfaktoren eine Auswirkung auf den EQ.
Deshalb wäre ich erneut vorsichtig mit Behauptungen, wie Frauen sind emotional Intelligenter als Männer. Auszuschließen ist es nicht, dass in unserer Kultur möglicherweise der EQ tatsächlich ungleich verteilt ist, bedingt durch die Erziehung. Möglicherweise würde es aber in einem geschlossenen System statistisch keine Unterschiede geben. Wenn man aber in Betracht zieht, dass es anatomische Unterschiede zwischen dem männl. und weibl. menschlichen Gehirn gibt, dann sind Unterschiede zumindest wahrscheinlich.
>Denkt ihr, ist es überhaupt möglich, eine klare Definition für Intelligenz zu finden? Auf >globaler bzw. multikultureller ebene ist das doch fast ein Ding der Unmöglichkeit oder?
Für unmöglich halte ich es nicht. Man sollte sie dann aber von einem anderen, abstrakteren Blickwinkel betrachten als es jetzt getan wird. Frische Denkweisen tun manchmal ganz gut.
Was ich aber nicht für unmöglich halte ist, dass man in Zukunft die Funktionsweise des Gehirns vollständig entschlüsselt und Intelligenz dann auf neuronalen oder biochemischen Weg messen kann.
Ok, das nenn ich mal eine Tiefschweifende Diskussion, aber so was von interessant!
Rabenschwinge, du hast es auf den Punkt gebracht, es ist nicht einfach abzuschätzen, ob das ein Vorurteil ist oder nicht, zumal auch noch kein richtig anerkannter Test zu diesem Thema existiert, es ist einfach ein sehr umstrittenes Forschungsgebiet. Aber trotzdem halte sich solche vorurteile extrem in der Bevölkerung wie man bemerken kann, Frauen die emotionalen Mütter dieser Welt, und Männer, die Ernährer und arbeitsnahen, die nichts an sich heranlassen – das entspricht doch dem gängigen Gesellschaftsklischee. Darum wäre wohl auch wichtiger sich die Frage zu stellen: woher kommen all diese Vorurteile, und könne sie zum, Teil begründet sein, wie eben durch EQ oder basieren sie auf unseren anerlernten Verhaltenscodexen, die sich dann auf die Gesellschaft als solches übertragen haben?
@ Carmen: werde wohl auch deine erwähnte Diskussion mir mal ansehen müssen, bin neugierig geworden!